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 |  |  |  |  |  |  |  | Rodrigues-Reise vom 30.Oktober bis 8. November 2006 von Kathrin Seyfahrt Susan Auguste ist nicht nur Direktorin des Gonzague Pierre Louis Special Learning Centre (GPLSLC), sie ist vor allem die gute Seele jener kleinen Privatschule für behinderte Kinder auf Rodrigues, die Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. seit seiner Gründung im September 2004 erfolgreich unterstützt. Immer hat sie ein offenes Ohr oder Auge für die Kinder. Unermüdlich berät sie deren Eltern oder Großeltern, die meist sehr arm sind. Susan kennt die Missstände auf der Insel: Inzucht, Alkohol, zunehmende Gewalt gerade auch innerhalb der Familien. Wann immer es ihr möglich ist zu helfen, tut sie es, und nicht zuletzt gilt ihr ganz besonders herzlicher Dank allen Spenderinnen und Spendern in Deutschland, denn erst durch Ihre Spenden ist die Aufnahme weiterer Kinder ins GPLSLC möglich geworden. Statt der vormals 20 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren, besuchen seit Anfang dieses Jahres 30 Kinder die Schule. Ein paar Kinder kenne ich bereits seit 4 Jahren. Ihren Fortschritt erleben zu können, erfüllt mich mit großer Freude. Da ist zum Beispiel Sharon. Sie war5, als ich sie das erste Mal sah und ein scheues, kleines Mädchen. Sharon ist schwer hörbehindert, konnte überhaupt nicht sprechen. Sie trägt Hörgeräte an beiden Ohren. Mit ihren inzwischen 9 Jahren ist sie heute ein fröhliches Kind, das langsam auch anfängt zu reden. Oder der heute 14jährige O`Bryan. Er war 9, als ich ihn kennen lernte. Auch er trägt zwei Hörgeräte und konnte kaum reden. Im kommenden Schuljahr wird er zusammen mit 3 weitern Jungen die landwirtschaftliche Schule besuchen. Oder die 14jährige Marie-Claire, die aus schwierigen Familienverhältnissen kam und große Lernstörungen damals in der normalen Schule aufwies. Deswegen kam sie zum GPLSLC. Dort wurde sie eine so gute Schülerin, dass sie vor einem Jahr die Aufnahmeprüfung ans College geschafft hat. Das neue Schuljahr beginnt am 10. Januar 2007. Dann werden wieder einige neue Kinder kommen. Susan hat immer eine lange Warteliste. Es werden im kommenden Jahr sogar och ein paar Kinder mehr sein. Neben 30 Schulkindern soll es noch eine so genannte Pre-Primary Group, eine Kindergartengruppe, für 5 bis 6 Kinder zwischen 3 und 4 Jahren mit Hör- oder anderen Problemen geben. „Je früher die Kinder zu uns kommen“ – so Susan Auguste - „umso besser.“ Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. wird in 2007 die Schule mit 2.400 Euro, den Kindergarten mit 1.200 Euro unterstützen. Marie Bernard, die Großmutter mit der großen Enkelkinderschar, lebt noch in ihrem alten Steinhaus und der maroden Wellblechhütte. Leider musste sie doch sehr viel länger als gedacht auf die Verlängerung ihres Pachtvertrages warten. Er kam im September. Zusammen mit Susan und dem Architekten Jean-Claude Donzé Ducray habe ich Marie Bernard am 3. November 2006 besucht. 387 qm ist das Stück Land groß, auf dem sie mit ständig 14 weiteren Personen lebt. Wie Jean-Claude Donzé Ducray feststellte, kann das Steinhaus noch einmal saniert werden. Die Wellblechhütte hingegen kann man nur noch abreißen. Das Steinhaus bekommt einen Anbau. Während der Bauarbeiten wird ein Container aufgestellt, in dem die 5 Personen aus der Wellblechhütte schlafen können. Anfang 2007 soll der genaue Plan erstellt und dann so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Geld für den Bau liegt bereits abrufbereit auf der Rodriguer Bank. Nach wie vor lebt Marie Bernard in ärmlichsten Verhältnissen. So war ich aber bei meinem diesjährigen Besuch von der großen Sauberkeit beeindruckt. Hier hat sich etwas zum Positiven verändert. Um ihren Lebensmittelvorrat etwas aufzustocken, kaufen wir 1 Sack Reis (50 kg), Linsen und Milchpulver für die Kinder. Ein etwas komfortableres Haus wünscht sich auch Marceline Perrine. Aber noch größer ist ihr Wunsch für eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Als einziges Mädchen unter 6 Brüdern wurde sie 1970 geboren. Nach dem 6-jährigen Schulabschluss in der Primary School arbeitet sie im elterlichen Haushalt, bis sie 17jährig heiratet. Marceline Perrine hat 7 Kinder. Von ihrem Mann hat sie sich vor knapp 5 Jahren getrennt, weil er sie betrogen hat und straffällig geworden ist. Seit einiger Zeit ist sie offiziell geschieden. Die beiden ältesten Söhne (18 und 17) leben außer Haus. Mit den anderen 5 Kindern: Prisca (15), Alex (13), Josca (10), Stefanie (6) und Benjamine (4) teilt sich Marceline Perrine eine 2-Zimmer-Wellblechhütte. Weil die Nägel, mit denen das Dach befestigt ist, rosten, regnet es bei starken Regenfällern rein. Alle Kinder leiden an Asthma. Vor jedem Zyklon fürchtet sich Marceline Perrine. Wird das Dach/die Hütte dem Sturm standhalten? Die Küche befindet sich außerhalb in einem winzigen Extra-Wellblechverschlag, das Bad – ein kleine Plastikschüssel – hinter einem Vorhang nebenan. Ein paar Meter weiter entfernt eine Latrine. Der Wassertank im Hof ist neu. Er wird alle 14 Tage kostenlos aufgefüllt. Für Strom sind monatlich 300 Rupies (ca. 8 Euro) zu bezahlen. Am meisten berührt hat mich die Geschichte der 15järigen Prisca. Seit einem Jahr leidet das schmale, scheue Mädchen an Epilepsie, vermutlich ausgelöst durch die erste Menstruation. Mit „Epanutin“ behandelt, bekam sie einen Hautausschlag, der nach wenigen Wochen wie schlimme Verbrennungen aussieht. Die Haare fallen aus, Prisca verliert Finger- und Fußnägel. Im Hospital von Rodrigues weiß man keinen anderen Ausweg, als das Mädchen nach Mauritius zu fliegen. Dort liegt sie 18 Tage in der Intensivstation. Marceline begleitet ihre Tochter, während ihre Eltern sich um die jüngeren Geschwister kümmern. „Epanutin“ wurde sofort abgesetzt. Das Mittel ist in Europa schon lange vom Markt genommen, eben aufgrund seiner furchtbaren Nebenwirkungen. Prisca ist heute medikamentös eingestellt. Haare und Nägel haben langsam wieder zu wachsen begonnen. Ihre Haut ist soweit wieder okay. Spuren hat die Krankheit erstmal hinterlassen: Prisca ist geschwächt und depressiv, fühlt sich am wohlsten, wenn sie zu Hause ist. 2 Anfälle im Monat bekommt sie, erzählt Marceline Perrine. Im Moment kann man nur auf weitere Besserung hoffen. Dann gehen Susan und ich mit Marceline und Alex zu der von Marceline Perrine im vergangenem Jahr gestarteten kleinen Gemüse-Plantage hinter dem Anwesen ihrer Eltern, ein etwa 15minütiger Fußweg. Karotten, Rote Beete, Tomaten, Zwiebeln, Salat baut sie an und verkauft die Produkte auf dem Markt; etwas Mais für den Eigenbedarf. Sehr akkurat sind die kleinen Beete angelegt. Gemüsepflanzen und etliche Meter Schlauch zum Bewässern haben Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. finanziert. Damit die nächste Ernte eine gute werden kann, wird dringend ein Mittel gegen Schnecken, Läuse und andere Schädlinge benötigt. Weil das Epilepsiemedikament teuer ist, und es im Moment außer Salat nicht viel zum Verkauf gibt, fehlt es an vielem, zum Beispiel Reis, Linsen, Michpulver… Der 13jährige Alex geht darum morgens vor der Schule für reichere Nachbarn im Dorf einkaufen. Für die paar Rupies, die er dafür bekommt, kauft es etwas Brot für seine Mutter und die Geschwister. Wie schon bei meinem letzten Besuch hat mich Marceline Perrine besonders beeindruckt. Sie lebt in größter Einfach- und Bescheidenheit, muss in der Tat jeden Rupie zig Mal umdrehen, bevor sie ihn ausgibt, und dennoch jammert und klagt sie nicht. Mit dem wenigen, was sie hat, versucht sie, ihren Kindern so viel wie möglich zu geben, vor allem Liebe und Geborgenheit. Mit etwa 300 Euro wollen wir Marceline Perrine auch in 2007 wieder unterstützen. Helfen Sie uns, ihren Wunschtraum von „einer besseren Zukunft für die Kinder“ auf Rodrigues zu realisieren. |
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