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Meine Reise nach Rodrigues vom 11.01. – 27.01.2007

Rodrigues – wo liegt denn das? Eine kleine Insel im indischen Ozean, 560 km von Mauritius entfernt, so wurde ich von Kathrin Seyfahrt, der Initiatorin des Projektes „Netzwerk für Mädchen & Frauenpro­jekte e.V." aufgeklärt. 

Der Wunsch, meine kleine Auszeit über den Jahreswechsel sinnvoll zu verbringen, hat mich über einen Wohlfühlurlaub in Spanien in das ferne Rodrigues geführt. Ich hatte dort die Möglichkeit 2 ½  Wo­chen in der kleinen Privatschule für behindere Kinder, dem Gonzague Pierre Louis Special Learning Centre, mitzuwirken. Da eine Erzieherin zu diesem Zeitpunkt im Mutterschaftsurlaub war und Susan, die Direktorin, aufgrund eines familiären Todesfalles kurzfristig nach England reisen musste, war meine Hilfe sehr willkommen. 

Meine Hauptaufgabe war es, die ca. 4 Jahre alten Neuankömmlinge in der Gruppe zu beschäftigen, mit Ihnen zu malen, basteln, spielen etc. 

In der Zeit, die ich dort verbrachte, habe ich eine große Hochachtung vor den Erzieherinnen bekommen, die mit viel Geduld und Liebe, aber auch einer sanften und dennoch bestimmten Strenge, den Kindern eine Struktur geben, ihnen Lesen und Schreiben beibringen und die Neuankömmlinge mit den ungewohnten Hörgeräten vertraut machen. 

Ein sehr schönes Ritual war das gemeinsame Essen, das mit einem Gebet beginnt und ebenso endet. Ich war immer sehr erstaunt, welche Mengen die Kinder verschlingen können und wie sehr sie die warmen Mahlzeiten genießen. Aufgrund der vorherrschenden Wasserknapp­heit musste die Küche manchmal kalt bleiben und es wurde statt­dessen belegtes Baguette serviert. Aus diesem Grund wurde auch das Wasser für die Klospülung des Öfteren abgestellt – ein ungewohntes Bild für uns regenverwöhnte Europäer. 

Einige der Kinder finden direkt eine Anstellung in der angrenzenden Werkstatt, wo aus Kokosnüssen Schmuck und Souvenirs hergestellt werden. Eine englische Schmuckhändlerin hat die Produkte sogar in Ihr Programm aufgenommen. Paul Draper, der Gründer und die gute Seele des Projekts zeigte mir in diesem Zusammenhang stolz den entworfenen Katalog, der die gesamte Produktpalette präsentiert.

Für die meisten Touristen ist ein Besuch in der Werkstatt und dem angrenzenden Souvenirladen obligatorisch, so dass auch auf diesem Weg einiges abverkauft wird. Auf mich machte das Ganze den Eindruck eines kleinen florierenden Unternehmens, wo afrikanische Gelassenheit und europäisches Wirtschaftsdenken sich wunderbar ergänzen.

Auf alle Fälle sind die von Kathrin generierten Spendengelder am richtigen Platz und es ist eine Freude zu sehen, dass sie nicht im Sande versickern, sondern wirtschaftlich eingesetzt werden. 

Trotz meines (Arbeits-)einsatzes auf Rodrigues hatte ich natürlich Gelegenheit, die kleine Insel mit ihrem ursprünglichen Charme kennen zu lernen. Ich habe, trotz der Widrigkeiten, die dort herrschen, das entschleunigte Leben sehr genossen – es bleibt immer Zeit für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn.

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