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Bien venue in Wend Raabo

Anlässlich unserer Burkina Faso Reise vom 29. Januar bis 12. Februar 2008 standen als weitere Schwerpunkte zwei Besuche in der Wend Raabo Schule sowie ein Ausflug mit den jeweils zwei jahresbesten Schülerinnen und Schülern der einzelnen Klassen auf dem Programm.    

Die 6-jährige École Primaire Privée Wend Raabo wurde von Sidiki Belem im Jahr 1990 gegründet unter dem Motto: „Gott verspricht Leben“ und mit dem Ziel, als gemeinnützige Bildungseinrichtung vor allem Waisenkindern und sozialen Härtefällen Unterricht anzubieten. In den ersten Jahren profitierte die Schule von einem UN-Programm, das Maismehl und Öl für die Bezahlung der Lehrkräfte und zur Schulspeisung zur Verfügung stellte. Nach einer Ausdehnung der Stadtgrenzen von Ouagadougou erfüllte die Schule dann jedoch nicht mehr das Kriterium eines festgelegten Mindestabstandes zur Hauptstadt und fiel aus der UN-Förderung heraus. Fort an war sie auf Unterstützung von außen angewiesen.

Mit Spendengeldern aus Deutschland (Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf e.V., die private Initiative von Dr. Inge Kapraun, München und Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.)  konnten über die Jahre hinweg Klassenräume, Werkstatträume für Berufsschulklassen, eine Schulküche, zwei Büroräume, Latrinen, Lagerräume und ein Brunnen errichtet sowie Lehrkräfte, Schulmaterial, Einrichtung, die Einfriedung des Schulgeländes und Schulspeisung finanziert werden.

Dank Sternstunden e.V. konnten im vergangenen Jahr auch für die sehr eng sitzenden Schulkinder 25 weitere Schulbänke/-tische angeschafft werden.

In fachlichen und technischen Belangen besteht Austausch mit offiziellen Stellen der staatlichen und kommunalen Verwaltung. Elternvereine werden beratend mit einbezogen und nehmen aktiv am Leben der Schule teil.

Mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 müssen Privatschulen neben der École Primaire auch die École Secondaire anbieten. Das bedeutet, dass für diese höhere Schule, die  weitere 6 Jahre dauert, auch drei zusätzliche Gebäude mit jeweils 2 Klassenräumen vonnöten sind. Bislang verfügt die Schule über 3 Latrinen, 4 weitere müssen umgehend gebaut werden.

Derzeit unterrichten 14 Lehrer/Innen permanent und 11 Lehrer/Innen auf Stundenbasis an der Wend Raabo Schule, wobei das monatliche Einkommen eines fest angestellten Lehrers z.B. zwischen ca. 60 und 67 € beträgt.

Der Schulbesuch ist in Burkina Faso grundsätzlich nicht umsonst. Die Eltern der Kinder der Wend Raabo Schule haben dasselbe Schulgeld zu bezahlen wie an staatlichen Schulen. Großer Vorteil: in der Wend Raabo Schule sitzen durchschnittlich ’nur’ 50-60 Kinder in einer Klasse, während es in den staatlichen Schulen oft 100 und mehr Kinder sind.

Die Anzahl der Schüler ist drastisch gestiegen. Die École Primaire besuchen 433 Schüler/Innen. Unter den 226 Mädchen und 207 Jungen sind 90 Waisen und Kinder aus sozial schwachen Familien, die das Schulgeld von 21.000 FCFA/Jahr (32 €) nicht bezahlen.

Von den 73 jungen Mädchen/Frauen im Ausbildungszentrum können 10 das jährliche Schulgeld von 30.000 FCFA (45 €) nicht bezahlen.

Die erste Klasse der École Secondaire wird von 26 Schüler/Innen besucht, von denen 24 die jährlichen 60.000 FCFA (90 €) bezahlen können. 2 Waisenkinder werden aus Spenden finanziert.

An laufenden Kosten (also Gehälter, Verwaltung, Elektrizität, Unterkunft für Waisenkinder, Nahrungsmittel für Schulspeisungen) fallen für das Schuljahr 2007/2008 16.658.400 FCFA (25.433 €) an. Davon sind aus Schulgeldeinnahmen, Spenden aus Deutschland, kleinen Unterstützungen aus Burkina Faso 15.718.000 FCFA (23.996 €) gedeckt.

Die fehlenden 940.000 FCFA (1.467 €) werden von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.  übernommen.

Für den weiteren Ausbau der Schule (2 Gebäude mit jeweils 2 Klassenzimmern), sowie die eine oder andere notwendige Anschaffung (unter anderem z.B. Nähmaschinen für das Ausbildungszentrum; Schulbänke/-tische, etc.) werden ca. 30.000 €  benötigt. Hier sind wird dringend auf Unterstützung und Spenden angewiesen.

Unser offizieller Besuch am 4. Februar in der Wend Raabo Schule sollte eine erste positive Folge nach sich ziehen. Wenn sie sich auch nicht gleich in barer Münze auswirkt, so ist aber die Wend Raabo Schule seit dem 11. Februar zumindest in einem weiteren Kopf verankert, und der immerhin ist kein geringerer als des Oberbürgermeisters von Ouagadougou Simon Compaoré.

Nicht nur die Lehrer und Schüler waren aufgeregt im Hinblick auf den hohen Besuch, war auch Sidiki Belem spürbar nervös. Für 10.00 Uhr hatte sich Simon Compaoré angemeldet und er gilt als äußerst pünktlich. Um 10.15 Uhr klingelte Sidikis’ Handy, der Bürgermeister entschuldigte sich, er sei aufgehalten worden in einer Besprechung (am nächsten Tag stand der Besuch des deutschen Außenministers Steinmeier in Ouagadougou an), aber er sei bereits auf dem Weg zur Schule.

Eine halbe Stunde später war er da, hatte immerhin eine knappe Stunde Zeit, in der er die eine oder andere Klasse besuchte, sich über die Aktivitäten im Ausbildungszentrum informierte und ein paar musikalisch-tänzerische Darbietungen genoss. Einem Jounalisten des „L’Express du Faso“ beantwortete er Fragen, der Apparat des Fototgrafen klickte, er schrieb sich ins Gästebuch der Schule ein und am Ende unterhielt er sich noch eine kleine Weile mit Fadumo, Walter und mir (in erstklassigem Englisch!). Nachdem er erfahren hatte, dass wir wenige Tage zuvor die Krankenstation in Pétessiro eingeweiht haben, dankte er herzlich für den Einsatz in seinem Land.

Es ist zu hoffen, dass dieser Besuch von Simon Compaoré doch nachhaltig der Wend Raabo Schule einen regelmäßigen finanziellen Zuschuss bringt.   

Mein diesjähriger Besuch in der Schule hat mich einmal mehr überzeugt, welch gute und wertvolle Arbeit vom Lehrerkollegium, aber insbesondere auch von Direktor Sidiki Belem hier geleistet wird.

Die Wend Raabo Schule ist ein beeindruckendes Beispiel, mit wie viel Energie, Entschlossenheit und Ausdauer sich Menschen für die Verbesserung der Lebensbedingungen in ihrem Land einsetzen, ganz besonders der Kinder, sind sie doch die Zukunft Burkina Fasos.

Es ist ermutigend, wie viel mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln vor Ort erreicht werden kann.

Die Förderung von Infrastrukturprojekten, wie dieser Schule, ist ein sinnvoller Beitrag die Perspektiven im Land zu verbessern.

Jeder einzelne Euro ist hilfreich und unendlich wertvoll. Lassen Sie uns gemeinsam die Perspektiven der Kinder der Wend Raabo Schule fördern.

 

München, im Februar 2008

Kathrin Seyfahrt

 

 

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